Carl
Friedrich Gauß (1777 - 1855) ist einer der bedeutendsten
Mathematiker, die je gelebt haben. Von ihm kursiert die Geschichte, dass
er als zehnjähriger Junge in wenigen Augenblicken die Summe der Zahlen von
1 bis 100 berechnete. Gauß sollte von seinem Lehrer mit dieser
Summierungsaufgabe recht lange beschäftigt werden, er erkannte jedoch
schnell, dass man aus diesen 100 Zahlen 50 Paare bilden kann, die jeweils
einen Wert von 101 haben. Gauß multiplizierte also die Zahlen 50 und
101.
Nach ihm ist der im Folgenden dargestellte Algorithmus benannt, in dem es um das Lösen von linearen Gleichungssystemen
geht.
Schon im Laufe der
Sekundarstufe I begegnen einem Lineare Gleichungssysteme: zuerst zwei
Gleichungen mit zwei Unbekannten, später drei Gleichungen mit zwei oder
drei Unbekannten.
Realistische Probleme,
die durch Lineare Gleichungs- bzw. Ungleichungssysteme dargestellt werden
können, führen in der Regel auf viel größere und nicht unbedingt
quadratische Systeme ( z. B. 52 Gleichungen mit 41 Unbekannten).
Solche
Systeme kann man zwar prinzipiell mit den in der Sekundarstufe I
eingeübten Einsetzungs-, Gleichsetzungs- und Additionsverfahren lösen,
doch spätestens bei 4x4 Systemen verrechnet man sich allzu leicht. Am
Besten lässt man den Computer große Gleichungsysteme lösen. Der muss ein
gar nicht mal so schwieriges Rechenschema (eben den Gauß´schen
Algorithmus) mehrfach durchlaufen, bis die Gleichungen in einer Form
dastehen, aus der man leicht die Lösungsmenge bestimmen
kann.
Zur Schreibweise
:
Gleichung I
: x1 -
2x2 + 4x3 =
2
Gleichung II
: x1 -
x2 +
4x3 =
5
Gleichung
III : 2x1 -
3x2 + 9x3
= 12
Man schreibt man nur die Koeffizienten in
eine Matrix:

Subtrahiert man von Zeile II
die Zeile I und anschließend das 2-fache der Zeile I von der Zeile III, so
erhält man die beiden folgenden Matrizen.
und
.
Subtrahiert man nun noch von der
Zeile III die Zeile II, erhält man eine Matrix, aus der man recht leicht
die Lösungen bestimmen kann.
Aus dieser Matrix kann man ablesen,
dass für das obige Gleichungssystem gilt:
x3 = 5 ,
x2 = 3 und x1 =
-12.
Die zweite Matrix ist aus
der ersten durch Umformungen hervorgegangen, die die Lösungsmenge des
Systems nicht ändern. Die Frage, welche Umformungen die Lösungsmenge
eines Linearen Gleichungssystems ( LGS ) nicht ändern, ist gar nicht
so schwierig zu beantworten.
I :
Man darf Zeilen vertauschen. ( Die Reihenfolge, in der ich die
Gleichungen aufschreibe, ist beliebig.)
II : Man
darf Zeilen mit Vielfachen multiplizieren. ( x = 5 oder 25x = 125 sind offenbar
äquivalent)
III
: Man darf Zeilen bzw. auch Vielfache von Zeilen
addieren. ( Die Bedingungen
von zwei Gleichungen
gehen in einer
Gleichung auf. )
Diesen elementaren
Umformungen entsprechen die folgenden TI 89 - Befehle:
I :
RowSwap (beispiel,1,3 ) vertauscht die Zeilen I und III der
Matrix namens "beispiel"
II : mRow
(4.5,beispiel,2) multipliziert die Zeile II der Matrix "beispiel" mit
4.5
III
: mRowAdd(-3.5,beispiel,1,4) ersetzt Zeile IV durch -3.5*I +
IV
Diese Umformungen gilt es
solange auf eine Matrix anzuwenden, bis auf der Diagonalen möglichst nur
Einsen stehen und unterhalb der Diagonalen möglichst nur Nullen. Bei
größeren Systemen schleichen sich bei vielen Menschen Rechenfehler ein,
der Computer langweilt sich auch bei noch so großen Systemen nicht und ist
von daher auch das geeignete Instrument für solche eine Rechnung. Trotzdem
soll an einem Beispiel, das vom Rechenaufwand her recht freundlich
gehaltenen wurde, das Prinzip des Gaußschen
Algorithmus verdeutlicht werden.
